GESINE: Partnerin im DAPHNE-EU RESPONSE 2017/2018

 

EU-Projekt RESPONSE  - Ein Projekt zum Erkennen, zur sensiblen Versorgung und zur Weiterverweisung gewaltbetroffener Patientinnen auf geburtshilflichen Abteilungen

Für schwangere Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, häusliche bzw. Partnerschaftsgewalt zu erleben, nicht geringer als für Frauen insgesamt. Im Gegenteil ist die Schwangerschaft nicht selten der Zeitpunkt der erstmaligen Gewalterfahrung und damit eine besonders vulnerable Zeit für die Frau und ihr noch nicht geborenes Kind. Wichtig ist, hierbei nicht nur an körperliche und sexualisierte Gewalt sondern auch an psychische/emotionale Gewalt zu denken, die sehr viel seltener wahrgenommen wird, in ihren gesundheitlichen Auswirkungen aber ebenso gravierend ist. Gewalterfahrungen können zu einer Vielzahl von Problemen in der Schwangerschaft, im Geburtsverlauf und danach führen.

  • Häufigeres Auftreten sexuell übertragener Krankheiten inkl. HIV
  •  Stark erhöhtes Risiko für Depression, Angststörungen und PTBS
  •  Späte Feststellung der Schwangerschaft
  •  Späte Aufsuchung von Vorsorgeuntersuchungen
  •  Höherer Konsum von Alkohol, Tabak u.a. Drogen
  •  Schlechter physischer und psychischer Gesundheitszustand
  •  Erhöhtes Fehlgeburtsrisiko
  •  Erhöhtes Trauma-Risiko für Mutter und Kind
  •  Vorzeitige Wehen
  •  Erhöhtes Risiko für Ablösung der Plazenta
  • Stärkere Tendenz zu selbstverletzendem Verhalten
  • geringes Geburtsgewicht
  • vorzeitige Geburt
  • Bindungsprobleme zwischen Mutter und Kind
  • stark erhöhtes Risiko für postpartale Depression
  • Risiko für erhöhte Stressanfälligkeit und psychische Erkrankungen des Kindes

Quellen: Goodman 2009; Howard et. al. 2013; Radtke et al. 2011; , Stöckl. et al 2010

In der Schwangerschaftsvorsorge und geburtshilflichen Versorgung bieten sich daher gute Möglichkeiten, die Gewaltbetroffenheit von Patientinnen zu erkennen, sie entsprechend angemessen zu versorgen und in spezialisierte Beratung zu vermitteln. Hierzu sollten Ärztinnen/Ärzte, Hebammen und Pflegende im Erkennen von Gewaltbelastung, in der sensiblen Ansprache der (möglicherweise) gewaltbetroffenen Frauen und der effektiven Verweisung geschult sein. Hier setzt RESPONSE an: Möglichst alle medizinischen Mitarbeiter/innen der Abteilung (Arzt/Ärztinnen; Hebammen, Pflegende, ggf. Sozialarbeiter/innen) werden von erfahrenen Trainerinnen nach einem passgenauen, auf die Bedarfe der Klinik abgestimmten Curriculum geschult.

Das Projekt findet in mehreren europäischen Ländern statt, in denen die geburtshilfliche Versorgung recht unterschiedlich organisiert ist. So scheint es in einigen Ländern anders als in Deutschland so zu sein, dass Frauen während der Schwangerschaft erheblich mehr in Kliniken als im niedergelassenen ärztlichen Bereich betreut werden, so dass die Klinik viel mehr Kontakt mit den schwangeren Patientinnen hat als das in Deutschland üblicherweise der Fall ist. Dadurch sind dann auch die Möglichkeiten, etwaige Gewaltbetroffenheit zu erkennen und Unterstützung anzubieten, erheblich vielfältiger. Im deutschen Kontext ist daher Aufgabe des Projekts, nicht nur bezüglich Handlungsweisen im Umgang mit Gewalterfahrung zu schulen, sondern auch zu ermitteln, wann und wo in den üblichen Arbeitsabläufen diese Handlungsweisen möglich sind.

Das Projekt wird sowohl intern durch Datenerhebungen in den Kliniken (inkl. Kontrollklinik) wie extern von Wissenschaftlerinnen der Universität Bristol/England evaluiert.

Unsere kooperierenden Kliniken sind das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Das Heliosklinikum Schwelm.

Das GESINE Netzwerk Gesundheit EN, getragen vom Verein Frauen helfen Frauen EN e.V. widmet sich seit fast 13 Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis der gesundheitlichen und psychosozialen Versorgung gewaltbetroffener Frauen.

Ansprechpartnerin: Ulrike Janz,  janz@gesine-intervention.de, 02336 475 9152

 

 

 

März 2014: Neue EU-weite Studie zu Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Grundrechte von Frauen hinsichtlich ihrer Würde, dem Zugang zur Justiz und der Gleichheit der Geschlechter. Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, einer von fünf Frauen wurde nachgestellt („gestalkt“), und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die FRA-Erhebungsergebnisse zur Gewalt gegen Frauen ergeben ein Bild des weit verbreiteten Missbrauchs, der das Leben vieler Frauen beeinträchtigt, von den Behörden jedoch nicht in seinem vollen Ausmaß erfasst wird. Insofern spiegeln offizielle Statistiken das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen nicht wider.

Die Erhebung der FRA ist die erste dieser Art zu Gewalt gegen Frauen in den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) und basiert auf Interviews mit 42 000 Frauen. Befragt wurden Frauen zu ihren Erfahrungen mit körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt, was auch Vorfälle von Gewalt in der Partnerschaft („häusliche Gewalt“) einschließt. Zudem wurden Fragen zu Stalking, sexueller Belästigung und der Rolle, die neue Technologien bei Missbrauchserfahrungen von Frauen spielen, gestellt. Zusätzlich wurde auch nach Gewalterfahrungen in der Kindheit gefragt. Gestützt auf die detaillierten Erhebungsergebnisse hat die FRA eine Reihe von Stellungnahmen formuliert, die unterschiedliche Vorgehensweisen für verschiedene Bereiche vorschlagen, in denen Frauen Gewalt erfahren und die über die engen Grenzen des Strafrechts hinausreichen – von Beschäftigung und Gesundheit bis hin zu den neuen Medien.

Hier herunterzuladen:

Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung. Ergebnisse auf einen Blick